Angeln, Theologie,
Philosophie
15.10.2019 12:31 (UTC)
   
 

Perter Bamm: Einsame Männer

Hin und wieder sieht man in der großen Stadt an der Mauer eines Kais einen Mann stehen, der angelt. Kaum je hat ein Passant beobachten können, dass so ein einsamer Mann wirklich einmal einen Fisch aus dem Wasser gezogen hätte. Aber das beweist nur, dass der Passant nicht genug Geduld im Zusehen gehabt hat.
Freilich, wenn man die braune Brühe betrachtet, die durch die große Stadt schleicht, kommt man nicht leicht auf die Idee, dass darin lebende Fische herumschwimmen könnten. Aber der Angler ist nicht nur ein Heros der Geduld. Er ist auch ein Prophet des Glaubens. Kein Wasser ist ihm zu trübe, als dass er nicht darin zu fischen versuchte.
Der einsamen Männer an den Kaimauern der großen Städte sind wenig. Aber Angler gibt es in Deutschland achtzigtausend. Es ist eine Bruderschaft der Einsamen, die an den Bächen des Lebens sitzen. Sie sind so stumm wie die Fische, aber für die Ökonomie der Nation von höchster Bedeutung.
Wenn wir achtzigtausend Angler in Deutschland haben, dann ist nichts so sicher wie die Tatsache, dass wir achtzigtausend Philosophen in Deutschland haben. Die Männer haben sich hier ein Reich gebaut, das bis dato der öffentlichen Aufmerksamkeit entgangen ist.
Angeln als einen Sport zu bezeichnen hieße, ebenso sehr den Sport wie das Angeln missverstehen. Sport dient der Ertüchtigung von Körper und Charakter und wird ohne einen Lohn betrieben, wenn nicht den des Ruhms. Angeln dient der Ertüchtigung der Seele, und seine Resultate kann man mit Salz und Lauch zum Abendbrot verzehren. Angeln ist die einzige Philosophie, von der man satt werden kann. Auch ist es die einzige Art von Arbeit ohne alle Tätigkeit. Wie man sieht, sind eine dergestalt beschaffene Philosophie und eine dergestalt beschaffene Arbeit geeignet, das Ideal von achtzigtausend erwachsenen Männern zu sein. Angeln übt in Geduld und Hoffnung, zwei Eigenschaften, von denen die eine die nützlichste, die andere die unentbehrlichste ist, das Leben zu ertragen.
Sitzen wir nicht alle am fließenden Wasser des Lebens und werfen die Schnur aus mit dem Gedanken an unser Glück? Es angelt der Zigarrenhändler nach den Rauchern, der Poet nach dem Einfall, der Friseur nach dem Kunden, der Arzt nach dem Patienten. Es angelt der Prophet nach dem Gläubigen, der Forscher nach dem Ruhm, der Politiker nach dem Erfolg. Wir alle angeln nach Geld. Und die Frauen alle angeln nach uns. Ohne Zweifel haben sie die längste Geduld und die meiste Hoffnung, und darum auch haben sie den größten Erfolg. Rings schwirren die Angelhaken. Und immer dann, wenn Angelschnüre sich verfitzen, gibt es Krach. Und weit öfter als den Nobelpreis erwischt man einen alten Lederstiefel.
Achtzigtausend Angler sitzen rings im Land, achtzigtausend Denkmäler der Geduld und der Hoffnung. Stundenlang ins Wasser sehen, Kieselsteine am Grund zählen und abends eine Forelle essen, ist das Leben, das man sich wünschen möchte. Achtzigtausend sind klug genug, wenigstens zuweilen sich dieses Leben zu beschaffen. Man sollte soviel Klugheit für die öffentlichen Angelegenheiten auswerten.
„Seit fünfundzwanzig Jahren Angler!“
Welch eine Empfehlung!

(aus: Anarchie mit Liebe, 113-115)


Lk 5.2-10

2 Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. 4 Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! 5 Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. 6 Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. 7 Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, sodass sie fast untergingen. 8 Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. 9 Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; 10 ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten.






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